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PRESSESTIMMEN

zu Faust

Gretchens Wahnsinn

Goethes »Faust« als düsterer Kriminalfall mit wenigen, psychologisch sehr differenziert gezeichneten Figuren: Eine Reduktion des Schauspiel-Klassikers auf die brutale dramatische Essenz ist dem Aschaffenburger Erthaltheater mit seiner neuen Inszenierung gelungen.

Es gibt keinen mit Blut unterzeichneten Teufelspakt, keinen übernatürlichen Bühnenzauber in der von Regisseur Jürgen Overhoff auf 100 Minuten gestrafften Handlung, sondern nur eine schonungslose Darstellung der Fakten auf schmuckloser Bühne.
Dem Mephisto, wie er hier auftritt, könnte man überall im Rotlichtmilieu begegnen. Benny Berger verkörpert den »Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, doch nur das Gute schafft«, ausgesprochen diesseitig: jung und gut aussehend in weißen Jeans zu rotem Hemd mit dicker goldener Zuhälter-Kette.
Faust am Ende seiner Weisheit: Armin Gottstein zeichnet ihn als verwahrlosten Trinker in einem schmuddeligen »Studierzimmer«. Fausts schwerzüngiger Monolog ist eine Abrechnung mit dem eigenen Scheitern und der Nutzlosigkeit dessen, was in all den auf dem Boden verstreuten Büchern zu finden ist.
Nicola Borgmann hat als Gretchen alles, was man sich von dieser komplexen Rolle wünscht. Faust und Gretchen zusammen auf dem Bett, zwischen zärtlichen Umarmungen die »Gretchenfrage« nach der Religion erörternd: Das ist eine gelungene Schlüsselszene. Gottstein spielt den selbstverliebten geilen Bock, der seine Argumente von einer allumfassenden göttlichen Liebe nutzt, um ein argloses Kind für Sex zu gewinnen. Wie gefangen in einem Spinnennetz wirkt das Mädchen.
Atemberaubend spielt Borgmann Gretchens Wahnsinn. Das Finale mit dem letzten Satz »Heinrich, mir graut vor dir« lässt die Zuschauer gebannt im Dunkeln schweigen, bevor begeisterter Applaus losbricht. Melanie Pollinger




zu Loriot



Szenen zwischen Komik und Tragik

Ein Seiltanz, federleicht mit plötzlichem Plumpsen: Das Leben in den Szenen und Sketchen von Vicco von Bülow alias Loriot hangelt sich durch Volten aus Lockenwicklern und Viereinhalb-Minuten-Eiern, durch Karl-Heinzens Gelüste und Fräulein Renates aufflammende Begierde, Hoppenstedt bis hin zur Paartherapie samt Rubens »Raub der Töchter des Leukippos«.

Und immerzu wird jeder von allem ertappt. Ich, du, er sie es - wir alle sind Subjekt und Objekt zugleich in diesem fragil austarierten Kosmos des großen Menschenliebhabers Vicco von Bülow (1923-2011) und sitzen bei der Inszenierung seiner hinreißenden Miniaturen „»Nilpferd in Burgundersauce oder: Loriots heile Welt«“ durch Jürgen Overhoff im Aschaffenburger Erthaltheater auf einem witzigen Schleuderstuhl, der uns jederzeit in jeder Lebenslage aus der Kurve tragen könnte.
Denn der Regisseur genießt den Text und pendelt ihn mit souveräner Leichtigkeit ein zwischen Komik und Tragik. Und das ist sein dezidierter Anspruch, er spielt mit den Kommunikationsstörungen zwischen den Menschen, weil oder als ob sie zum täglichen Leben gehörten. Denn alles, was in der Wirklichkeit wütend machen würde, weil das Nebeneinander - wie beim Nichtstun am Feierabend oder die richtige Kleiderwahl der Frauen - auf verschiedenen Schienen verläuft, lässt er genüsslich aufeinander prallen. Aber ohne größere Kollateralschäden. Die gibt es ohnehin immer und überall, auch wenn sie professoral getarnt werden, sich im englischen »th« verheddern oder Lottogewinner Lindemann zum Wahnsinn treiben. Und irgendwie kennt man sie alle, so wie sie von Grazia Dominante, Simone Seebacher, Armin Gottstein und Dieter Schaller gestaltet werden.
Und das alles zwischen Nilpferd in Burgundersauce, Stachelschweinkaltschale oder Backobst mit Gürteltierklößchen. Wunderbar, wie alles angerichtet ist.
Anneliese Euler




zu Die Mausefalle



Getrieben von der Mechanik der Angst

Für alles gibt es ein erstes Mal, so auch für Mollie und Giles Ralston, gespielt von Mila Korkin und Günter Geisler, die zu Beginn ihre neue Pension den ersten Tag öffnen. Ihre Aufregung und Unsicherheit ist groß, beide möchten nichts falsch machen und bemühen sich nach Kräften, ihre angemeldeten Gäste gebührend zu empfangen.

Diese könnten nicht unterschiedlicher sein, da gibt es Mrs. Boyle, herrlich verschroben gespielt von Bettina Sickenberger, die junge, schräg-verrückte Chris Wren (Coco Fuchs), den strammen Armee-Pensionisten Major Metcalf (Josef Pömmerl) und den Überraschungsgast Mr. Paravicini - köstlich-italienisch interpretiert von Rene Fugger.
Ein Schneesturm hat die Bewohner der Pension von der Außenwelt abgeschnitten. Das eingeschaltete Radio setzt alle von einem kürzlich geschehenen Mord in London in Kenntnis. Unerwartet tritt nun auch noch Sergeant Trotter, wunderbar eindringlich gespielt von Matthias Hock, auf Skiern in der Pension ein, um zu ermitteln. Als nach kurzer Zeit auch noch die Telefonleitung gekappt ist, dämmert es allen schnell: Der Mörder muss unter ihnen sein.
Regisseur Dieter Schaller gelingt es vortrefflich, jedem der Charaktere Raum für sein Spiel und seine Besonderheit einzuräumen. Das schnell um sich greifende Misstrauen der Gäste ist fast physisch greifbar, nichts ist mehr sicher oder so, wie es scheint. Ein jeder macht sich auf seine Art verdächtig, sogar an den Eheleuten Mollie und Giles Ralston nagt der Zweifel aneinander. Die Zuschauer kommen nicht umhin, sich insgeheim zu fragen: Wie gut kennt man seine engsten Vertrauten eigentlich wirklich? Hat nicht jeder Mensch seine Geheimnisse und ist gut darin, diese für sich zu behalten?
Theaterliebhaber erwartet ein unterhaltsamer und spannender Abend. (Cornelia Czermak)




 

Die Acht Frauen




 

Damen mit Doppelleben

Dieter Schaller inszeniert die Kriminalkomödie »Acht Frauen« auf stimmige Weise im Aschaffenburger Erthaltheater


Regisseur Dieter Schaller hat auf karikierende Überzeichnung gesetzt in der Bühnenversion der Kriminalkomödie, die auf die Grundstruktur und Besetzung von Jürgen Overhoff zurückgreift. Man wolle sich keinesfalls mit Francois Ozons Verfilmung aus dem Jahr 2002 - mit Stars wie Catherine Deneuve und Isabelle Huppert - messen: Darüber wurde das Aschaffenburger Premierenpublikum schon vor der Vorstellung aufgeklärt.
[…] Den Reigen der raffinierten Biester eröffnet Mila Korkin als Zimmermädchen Louise mit einem walzertänzelnden Soloauftritt, den Hintern in knappen Shorts schwingend und auf hohen Absätzen stöckelnd. Ihr gellender Schrei nach der Entdeckung des - auf der Bühne unsichtbaren - Hausherrn Marcel, blutüberströmt mit einem Messer im Rücken im Bett liegend, ruft die zum Weihnachtsfest versammelte Familie auf den Plan.
An der Figur von Marcels treuloser Frau Gaby lässt Schauspielerin Simone Seebacher kein gutes Haar. Sie besticht mit ihrer gnadenlosen Darstellung kalt berechnender Eitelkeit, gepaart mit nervösem Alkoholismus. Nathalie Frede verkörpert Gabys Tochter Suzanne als interessante Mischung aus verlogener braver Tochter und hemmungsloser Aufdeckerin - nur nicht der eigenen Doppelmoral, solange sie nicht von den anderen Frauen in die Enge getrieben wird.
Jenny Ulbricht ist in ihrem komödiantischen Element als hypochondrische, dauermaulende Augustine, Schwester von Gaby. […] Zupackend lebendig agiert Anette Krüger als Catherine, Marcels Lieblingstochter, die das Lügengespinst aufdeckt - und dabei im Übereifer eine fatale Maschinerie in Gang bringt.

Main-Echo vom 29.3.2016 (Melanie Pollinger)




 



ROMEO UND JULIA

Brennender Herzschmerz, schlüpfriger Humor und ein Klacks Kitsch: In dieser Mischung kommt »Romeo und Julia« auch beim jungen Publikum an, besonders wenn die Liebenden so aufregend ästhetisch agieren wie Benny Berger und Nathalie Frede in der aktuellen Inszenierung des Aschaffenburger Erthaltheaters. […]
Regisseur Jürgen Overhoff und Dramaturgin Nina Mähliß haben etliches gegen den Strich gebürstet in ihrer poppig bunten Version des über 400 Jahre alten Shakespeare-Klassikers. Beim Prolog und Epilog stehen sich maskierte Gestalten mit roten und blauen Laserschwertern gegenüber, stellvertretend für die bis aufs Blut verfeindeten Veroneser Familien Capulet und Montague. Bei der Party im Hause Capulet schweben rote Luftballon-Herzen durch den Raum.
[…] Nathalie Frede hat als zerbrechliche Julia im weißen Kleid durchaus Biss, als sie beim Warten auf Romeo zwischen Schwärmerei und zappeliger Ungeduld schwankt. Der bestechend natürlich auftretende Benny Berger bekommt am Schluss den heftigsten Applaus.
Trotz des flockig-leichten Seifenoper-Beiwerks gibt es berührende dramatische Momente in der facettenreichen Inszenierung. Das ausdrucksvolle Spiel der Hauptdarsteller ermöglicht Szenen von zärtlicher Verschmelzung und herzzerreißendem Schmerz. Im Kontrast zur abgeklärten Klugheit, mit der Armin Gottstein den Mönch Lorenzo verkörpert, wirkt die Verlorenheit der jungen Liebenden umso tragischer. […]

Main-Echo vom 22.2.2016 (Melanie Pollinger)




 



Kunst

Intellektuelle Diskussion zwischen Rutsche und Indianerzelt

Schauspiel: »Kunst« von Yasmina Reza im Aschaffenburger Erthal-Theater –
Es braucht nicht viel, um Menschen gut zu unterhalten

[…] Es ist ein simples, höhnisches Lachen und der Satz »Es ist eine Scheiße« von Marc (Armin Gottstein), welcher die Krise zwischen ihm und Serge (Dieter Schaller) auslöst. Die Krise wegen eines Bildes, das der vermögende Arzt Serge gekauft hat und das er jetzt stolz seinem Freund präsentiert. Doch der hat nur Spott für das Kunstwerk als auch für Serge übrig.
Damit beginnt auch »Kunst« im Aschaffenburger Erthal-Theater. Wer Oliver Reeses streng-unterkühlte, aber hoch ironische Inszenierung im Frühjahr 2014 in Frankfurt gesehen hat, der wird sich auch von Jürgen Overhoffs Variante ebenso bestens unterhalten fühlen.
[…] Wenn Gottstein als Marc beschwörend wie die Schlange Ka aus dem Dschungelbuch auf Yvan einredet, um ihn auf seine Seite zu ziehen oder wenn Serge mal wieder die beleidigte Leberwurst gibt, dann ist das höchst amüsant. […]
Es braucht nicht viel für gutes Theater. Gute Schauspieler, eine zündende Idee – mehr nicht. »Kunst« im Erthal-Theater zeigt, wie wenig es auf der einen Seite braucht – und wie viel man mit den richtigen Zutaten erreichen kann.

Main-Echo vom 10.10.2015 (Bettina Kneller)




 



 

Gefangen in einem kranken Spiel
Sprechtheater: Starker Psychothriller »Misery« nach Stephen King im Aschaffenburger Erthaltheater

[…] Viele kennen sicher den Film von 1990, viele die Buchvorlage von Stephen King. Aber das Stück auf einer Theaterbühne umzusetzen, ist noch mal eine ganz andere Herausforderung. Regisseur Jürgen Overhoff liebt diese Herausforderungen und nimmt sie immer wieder gerne an.
Und so ist es ihm auch dieses Mal wieder mühelos gelungen, den Horror, der sich nicht so sehr in physischer Form, sondern eher zwischen zwei Menschen abspielt, plastisch, spürbar werden zu lassen. Dazu trägt auch die zwischen den Szenen eingespielte Orgelmusik von Armin Gottstein bei, die mit minimalistischen Klängen unterschwelliges Grauen verbreitet.
Dem dichten Kammerspiel der beiden Schauspieler Simone Seebacher und Josef Pömmerl kann man sich auch als Zuschauer nur schwer entziehen.
[…] Wenn Seebacher von einem Moment auf den anderen die Gesichtszüge entgleiten und sie vom süßlichen Ton in die herrische Befehlsstimmlage wechselt, sie wütend mit den Augen rollt und sich ihre Mimik verkrampft, dann spielt sie die Psychopathin nicht nur, sondern sie ist es. Das ist brillant, und fast hat man den Eindruck, als mache es ihr einen höllischen Spaß, das darzustellen. Gleichzeitig aber ist sie klug genug, nicht zu überziehen.
In ihren sadistischen Fängen schrumpelt Josef Pömmerl zu genau dem armen Würstchen zusammen, was sie für ihr perverses Spiel braucht. Pömmerl spielt den armen, ans Bett gefesselten Autoren […] glaubhaft, aber durchaus mit unterschwelligem Biss. […] Manchmal ist gerade das Einfache das Schwierigste. »Misery« ist mit wenigen Mitteln zu maximaler Wirkung entfaltetes Theaterspiel. Und vermag dabei mehr zu fesseln als mancher Kinofilm.

Main-Echo vom 23.03.2015 (Bettina Kneller)








 



 

Auch Nathan ist Charlie
Schauspiel: Jürgen Overhoff inszeniert Gotthold Ephraim Lessings »Nathan der Weise« im Aschaffenburger Erthaltheater – Ohne Happy End

Auch Nathan ist Charlie. Der Weise erzählt Sultan Saladin die Ringparabel von der Gleichheit der Religionen und heftet dabei »Je suis Charlie« an die Wand. Das Zeichen der Solidarität mit den von islamistischen Terroristen ermordeten Pariser Karikaturisten passt in die aktuelle Inszenierung von Gotthold Ephraim Lessings »Nathan der Weise«, die am Donnerstagabend im Erthaltheater Premiere hatte.
[…] Overhoff hat Lessings Blankverse um über die Hälfte gekürzt, was Spitzen und Stacheln umso deutlicher hervorhebt, trotz der weitgehend ungeglätteten alten Sprache. Das Publikum hält den Atem an, als der Patriarch von Jerusalem (Günter Geisler) mit diabolischer Miene räsoniert: »Denn ist nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt? - Zu sagen: - ausgenommen, was die Kirch' an Kindern tut.«
[…] Steffen Rosenberger hebt den Unterhaltungswert des Stücks beträchtlich, indem er den Tempelherren als schwäbelnden Jungspund mimt, als einen, der das Herz auf der Zunge trägt, es aber im entscheidenden Moment auf dem rechten Fleck hat.
Ein Happy End wie bei Lessing gibt es in Overhoffs Inszenierung nicht. Während Juden, Christen und Muslime in brüderlicher Umarmung verharren, gellt ein Ausschnitt aus der Rede, die Adolf Hitler am 30. Januar 1942 über »die Vernichtung des Judentums« hielt, durch den Raum.

Main-Echo vom 17.01.2014 (Melanie Pollinger)




 



 

Die ganze Welt ein Irrenhaus
Theater: Georg Büchners »Woyzeck« im Aschaffenburger Erthaltheater ist ein Lehrstück über das Leben und seine Abgründe

[…] In einzelnen Szenen klappt die Vorgeschichte zum Mord auf. Die sechs Schauspielerinnen Michelle Caccamese, Coco Fuchs, Mila Korkin, Annette Krüger, Jenny Ulbricht und Alexandra Zang sind jede mal Woyzeck, jede mal Marie, jede mal der Hauptmann oder der Arzt.
Besonders Jenny Ulbricht ist eine Art Zugpferd, wird zum Gesicht der Inszenierung. Sie ist ein wirklich sich zutiefst selbst quälender und gehetzter Woyzeck. Nicht weniger aber glänzen Alexandra Zang, Mila Korkin – die so schön mit Wahn in den Augen Erbsen löffeln kann – oder auch Coco Fuchs, die Woyzeck wieder eine ganz andere Facette abgewinnt. Aber auch Annette Krüger und Michelle Caccamese wirken überzeugend in ihren Darstellungen.
Es ist eine große Collage, die Overhoff entwickelt hat. Eine offene Anordnung, ein Experiment - was der Vorlage wohl am ehesten entspricht, denn bekanntlich ist Büchners »Woyzeck« ein unvollendetes Dramenfragment. Gleich-zeitig unterstreicht diese Bruchstückhaftigkeit auch die unterschwellige Unheimlichkeit, die im Stück über der Handlung liegt. Alles wankt, auf nichts ist Verlass, alles ist Lüge und doppelter Boden. So fühlt sich Woyzeck, das hat ihn zum Mord an seiner Geliebten getrieben - und diese Haltlosigkeit, diese Verzweiflung transportiert die Inszenierung auf großartige Weise.
[…] Der »Woyzeck« im Erthaltheater ist kein Wohlfühlstück, das kann er auch gar nicht sein. Aber er ist Theater, das fesselt und berührt. Weil er Menschen schildert, die in extreme Situationen geraten und die nicht mehr weiter wissen – und deswegen zum Mörder werden. Und weil er so pur ist und so nahe an Büchners Text, ist er auch zeitlos – und damit absolut sehenswert.

Main-Echo vom 11. Oktober 2014 (Bettina Kneller)




 



 

Menschliche Abgründe entlarvend
Schauspiel: Yasmina Rezas »Drei Mal Leben« im Aschaffenburger Erthaltheater ist ein pures Kammerspiel

Vier Menschen, zwei Männer, zwei Frauen, jeder für sich stehend, unglaublich mit sich beschäftigt und um sich kreisend: Das muss schief gehen. Und weil es so schön ist, den vieren dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig mit Worten zerfleischen, wird das missglückte Zusammentreffen der beiden Paare gleich drei Mal durchgespielt in Yasmina Rezas Bühnenstück »Drei Mal Leben«.
Jürgen Overhoff hat das Erfolgsstück der Französin für das Aschaffenburger Erthaltheater eingerichtet. Ein Glücksfall, denn der rund 80-minütige Abend ist so kurzweilig, dass die Zeit wie im Flug vergeht.
[…] Die vier Schauspieler kosten ihre Rollen voll aus, zeichnen ihre Figuren mit viel Prägnanz. Und sie sind sie wirklich: Seebacher ist die rationale Maschine, die zum Angriff übergeht, als sie ihre Familienbastion attackiert sieht, Geisler der kriechende Versager, der sich nie behauptet hat, der immer nur kuscht. Und auf der anderen Seite ist Schaller der selbstgefällige Narziss, der sich gerne selbst reden hört und der seiner Frau mit Vorliebe den Mund verbietet. Was sich Fischer als selbstbewusste Ines nicht gefallen lässt.
Das Fass muss überlaufen mit dieser Kombination. Die Spannung zwischen den vier Personen ist mit Händen zu greifen, so plastisch bringen die Schauspieler das auf die Bühne. […] Menschliches, allzu Menschliches thematisiert das Kammerspiel im Erthaltheater. […] Nichts soll vom intensiven Spiel, von den Dialogen ablenken. Pur wirkt die Inszenierung. Und entlarvt so die menschlichen Abgründe der Figuren einmal mehr. Köstlich.
Und als die drei Varianten einer missglückten Abendverabredung hinter einem liegen, verharrt man im Theatersessel. Und ist fast ein wenig traurig, dass die kurzweiligen Szenen mit der Viererbande schon am Ende angelangt sind. Man hätte gerne noch mehr davon gesehen.

Main-Echo vom 21. März 2014 (Bettina Kneller)




 



 

Fäkal-Sprache auf reiner Bühne
Theater: »Die Präsidentinnen« zelebrieren im Erthaltheater auf Toiletten sitzend ihre absurden Streitgespräche

[…] Am Mittwochabend war im Erthaltheater Premiere für das unappetitliche Dreigestirn, das weit mehr berührte als provozierte. Denn die Schauspielerinnen Judith Beier als Erna, Katja Hufgard als Gretl und Agnieszka Kleemann als Mariedl agierten großartig vulgär, eklig, spießig, geil, hysterisch, bösartig und mörderisch auf der klinisch reinen Bühne. […] Mariedl weckt am ehesten so etwas wie Mitleid mit all den mies bezahlten Dienstleisterinnen und Dienstleistern am unteren Rand der Gesellschaft. […] Erna mit ihrer bigotten Sprache sagt es am Schluss: »Jeder Mensch auf der Welt hat seine eigene Leich' im Keller.« Und will doch die eigene Leich' - den gegängelten und an Weltekel erstickenden Sohn - nicht erkennen. Baier spielt virtuos mit Ernas Text. Sie ringt sich schnaufend Wörter wie »Verkehr« oder »Stuhl« ab und lässt Sätze wie »Ich kann meinen Glauben nicht mit einem Sex und einem Haufen vereinigen« platzen wie faule Tomaten an der Wand.
Es wurde viel gelacht bei der Premiere über die schrill herausgeputzten Klofrauen, die sich auf dem Abort sitzend in absurde Streitgespräche hineinsteigerten. Doch dann blieb einem das Lachen im Hals stecken, etwa als sich unmissverständlich abzeichnete, dass Gretl nichts gegen den Missbrauch der Tochter durch den eigenen Vater unternommen hat. […] Gnadenlos monströs mimt Hufgard die brünstigen Anwandlungen von Gretl, die sich den potenten Musiker Freddy als imaginären Analsex-Partner vorstellt. Auch hier bleibt alles optisch und olfaktorisch sauber. Doch die Sprache stinkt zum Himmel, so wie die ganze verlogene Abtritt-Welt, in der das völlig sehenswerte Stück von den drei Klofrauen in der Endlosschleife gefangen ist.

Main-Echo vom 14. Februar 2014 (Melanie Pollinger)




Die Stunde der Frauen

Lessings „Emilia Galotti“ in zeitgenössischer Deutung im Erthaltheater Aschaffenburg

"… Sharon Adam spielt die Vertraute des Prinzen und bildet mit Josef Pömmerl als Prinz ein unwiderstehliches, weil perfekt im Spiel aufeinander abgestimmtes Duo. Die äußerst elegante Erscheinung der Marchesa Marinelli ist eine intrigant durchtriebene Person, die ihren Herrn um den Finger zu wickeln versteht - und ihm dabei dennoch das Gefühl vermittelt, die Oberhand über das Geschehen zu haben. Und Pömmerl gibt das willige Opfer, das des Lebens überdrüssig ist und nur auf der Suche nach dem nächsten Rausch ist. In manchen Momenten wirkt er dabei wie die junge Ausgabe eines Gérard Depardieu - großartig einfältig und empfindsam zugleich. Beide Schauspieler sind eine echte Entdeckung. Und man fragt sich, warum sie erst jetzt gemeinsam auf einer Bühne stehen.
[…] Der Regisseur macht aus dem willenlosen, verzagten Mädchen eine starke Frau, überzeugend verkörpert von Alexandra Zang. Überhaupt schlägt in dieser „Emilia Galotti“ die Stunde der Frauen. Neben der eigenwilligen Marchesa Marinelli, die den lüsternen Prinzen vorführt, spielt Grazia Dominante die Löwenmutter Emilias und bietet Mila Korkin eine allen Demütigungen trotzende Gräfin Orsina dar.
[…] wegen des hervorragend spielenden Ensembles und der bunten […] aber alles andere als schrillen Inszenierung lohnt sich diese „Emilia Galotti“ im Erthaltheater. Denn Klassiker können durchaus fesseln. Man muss sie nur für heutige Augen aufschließen."

Main-Echo vom 18. Oktober 2013 (Bettina Kneller)




 

Böse Buben mit Schnuller

Schillers "Die Räuber" in fesselnder Inszenierung von Jürgen Overhoff im Erthal-Theater Aschaffenburg

"...Aktueller, treffender und kompakter kann man das klassische Drama um Freiheit, Vernunft und Gefühl wohl kaum auf eine Bühne bringen."

Main Echo vom 6./7.Okt.2012 ( Bettina Kneller )




 
 

Von Liebe und Schmerz in der Weihnachtszeit
Konzert: Ein Abend der Besinnung beim vierten »Lauschangriff« im Aschaffenburger Erthaltheater - Vier Künstler mit emotionalen Stücken

Ausverkauft war der vierte »Lauschangriff« im Erthaltheater. Geladen hatte Marie Schwind unter der Überschrift »Winternacht« zu einem Abend der Besinnung und der Nachdenklichkeit. Das Publikum sollte zur Ruhe kommen. Den vier Künstlern gelang mit emotionalen und textlich wie musikalisch exzellenten Titeln genau dies.
So überzeugte Joseph Myers aus Osnabrück mit eingängigen Songs, die er mit seiner souligen, an James Morrison erinnernden Stimme veredelte. Lokalmatador Chris Louis, als kurzfristiger Ersatz eingesprungen, fügte sich mit seinen direkten, folkig bis rockigen Kompositionen wunderbar ein. Bruno Picard aus Hanau war mit seinen beiden, mit warmer Stimme vorgetragenen, Titeln für die leisen Momente zuständig. Ähnlich wie die Johannesberger Liedermacherin Fraukrausert, die mit tiefgründigen, chansonartigen Stücken herausstach. Den Abend umrahmte Marie Schwind mit zum Nachdenken anregenden Zitaten und Texten, wobei sie mit ihrem witzigen Vortrag von »The Weihnachtszeit« die Lacher des andächtig lauschenden Publikums auf ihrer Seite hatte. […] Auch der vierte »Lauschangriff« entpuppte sich als wunderbar gefühlvoller Konzertabend voller Emotionalität und musikalischer Güte – ein Abend, zum Träumen, Zuhören und Nachdenken.

Main-Echo vom 28. Dezember 2013 (Daniel Stegmann)




Aufregend kunstvoll

Klassiker, Komödien und Kleinkunst im Aschaffenburger Erthaltheater

50 Vorstellungen in knapp zwei Jahren sprechen für sich: Goethes „Faust“ ist der Renner am Erthaltheater in Aschaffenburg. Auch Klassiker wie Schillers „Räuber“ ziehen beim Publikum – „da kommen auch viele Schulklassen, das ist gut: Junge Leute sind die Theaterzuschauer von morgen“, sagt Theaterchef und Regisseur Jürgen Overhoff. […] „Repertoiretheater ist reizvoll, weil wir nicht nur für vier Vorstellungen inszenieren“, umschreibt Jürgen Overhoff die Faszination Erthaltheater. […] Ihren ganz eigenen Reiz hat die Reihe Cuvée entwickelt, in der
vornehmlich regionale Künstler ihre Bühne finden. Musik, Kabarett, Literatur: „Wir setzen keine Grenzen“, sagt Organisatorin Nina Mähliß. „Vor allem unser „Lauschangriff“, bei dem mehrere Musiker auftreten, hat sich zum Spitzenrenner entwickelt.“

Gleis Eins, 4.Quartal 2013 (Susanne von Mach)




 

Über den Mops,....

Über den Mops, die Maske und menschliche Marotten »Loriots dramatische Werke«....

....sind es, die Franziska und Jan Bareins unter der Regie von Jürgen Overhoff in zahlreiche Rollen schlüpfen lassen. (...) Die beiden Akteure auf der Bühne leben sich immer mehr ein in der Welt, die der vor zwei Jahren gestorbene Viktor von Bülow im Laufe seines langen künstlerischen Schaffens entworfen hat. Es ist eine Welt zwischen Familiendramen, Badewannen-Streitigkeiten und Kochkünsten der exzentrischen Art, zwischen Plaudertaschen und Wortkargen, ungeschickten Annäherungen und dem bewusst-unbewussten Missverstehen. Und immer ist alles zum Lachen.
Ausgezeichnet gelingt es den beiden Schauspielern, den äußerlich harmlosen, im Inneren aber tiefschwarzen Loriot-Humor in Szene zu setzen. Es braucht keine existierende Nudel, um den bekannten Sketch zu spielen, es braucht nur seinen starren Blick, ihre irritierenden Reaktionen - und jeder im Saal weiß, was Sache ist.

Main-Echo vom 19.Juli 2013, (Martina Jordan)




 

Rotes Licht für Wein und Blut

Karl Schönherrs "Der Weibsteufel" - Ursprüngliche Scheu statt skandalöser Erotik

"Die mot-Inszenierung auf der Nebenbühne des Stadttheaters lässt dem 1914
entstandenen Alpendrama des Österreichers Karl Schönherr (1867 bis 1943)
seine ursprüngliche Sprödheit und die Scheu, an - zumindest optische -
Tabus zu rühren. Die Schauspieler Cornelia Denk als »Frau«, Günter
Geisler als »Mann« und Steffen Rosenberger als »Grenzjäger« beleben die
Figuren hauptsächlich aus der Sprache heraus.....

Mit wenigen suggestiven Mitteln hat Overhoff die Bühne als
Bauhaus-Gegenentwurf zu uriger Gebirgshüttenromantik gestaltet.....

Nur durchdringende Musik in den ultrakurzen Pausen des 90-minütigen
Dramas, über dessen Geierwally-Groteskheiten trotzdem immer wieder
geschmunzelt wird und das am Schluss herzlichen langen Applaus (...)
bekommt."

Main-Echo vom 15. Juni 2013 (Melanie Pollinger)




 

Herrscherin des einsamen Herzens

Kerstin Spechts "Die Schneeköniginnen" - wunderbar schräger Monolog im Erthaltheater

".....Grazia Dominante ist als frustrierte und vom Leben enttäuschte Souffleuse in einer Paraderolle zu sehen. Die 53-Jährige überzeugt mit ihrer Darstellung, in der sie alle Stadien eines Gemütszustandes von wütend über traurig und einsam bis hin zu ironisch und sarkastisch durchläuft.

.....spielt mit einer solchen Überzeugung, mit soviel Nachdruck, dass man ihr jegliche Regung abnimmt. Und sie schlüpft nicht nur in die Rolle, sondern lebt sie mit jeder Faser.....

"Die Schneeköniginnen" ist der beste Beweis dafür, dass es die kleinen Stücke sind, die zu überzeugen wissen. Und dass es manchmal kaum mehr braucht, als einen Menschen, der sich von den Haarspitzen bis zu den Fußnägeln auf eine fremde Figur einläßt und diese mit erstaunlicher Wucht verkörpert...."

Main-Echo vom 02./03. März 2013 (Bettina Kneller)




 

Psychogramm einer Wahnsinnigen

Euripides' "Medea" im Erthal-Theater: harte, aber lohnende Kost

"....Und obwohl das antike Drama nach einer großen Bühne verlangt,
funktioniert das Stück in dem kleinen, intimen Rahmen des Erthaltheaters
erstaunlich gut. Das Werk entfaltet auf dem kleinen Raum eine
unglaubliche Wucht und Spannung. Ein Kammerspiel wird daraus - eines,
das einen die Verzweiflung, die Raserei, die Wut und den Wahnsinn dieser
Medea unmittelbar spüren lässt."

Main-Echo vom 28.1.2013 (Bettina Kneller)




 

Leid und Lust rund um die Kunst

Lutz Hübners "Gretchen 89 ff." im Erthal-Theater Aschaffenburg ist ein munterer, unterhaltsamer Blick auf Typen von Regisseuren und Schauspielern

"...Ein dankbares Stück auch für das Ensemble des Aschaffenburger Erthal-Theaters, das darin mal wieder zu großer Form aufläuft. Und zeigen kann, zu welch großartigen darstellerischen Leistungen es fähig ist. Zu verdanken hat es auch Regisseur Jürgen Overhoff, der mit sicherem Gespür immer wieder die passenden Stücke für seine Truppe auswählt und sie mit viel Fingerspitzengefühl umzusetzen versteht..."

"... Torsten Kleemann darf brillieren in den verschiedenen Rollen der Regisseure. ... er blättert mit Bravour und Raffinesse alle Facetten von Regisseuren mit extremen Ecken, Macken und Kanten auf..."

"... da mag man es nicht glauben, dass dieser muntere Ausritt in die Gefilde der sonst nach außen hin doch so glitzernden und glänzenden Theaterwelt schon ein Ende haben soll. Mehr davon!."

Main Echo vom 21./22.04.12 ( Bettina Kneller )




 
 

Gefühlspotpourri und MännerfantasienLiedermacherabend: Lauschangriff mit dem Thema »Liebes Leben« - Musik und Poesie im ErthaltheaterSeinen ersten Geburtstag hat der Liedermacherabend Lauschangriff am Freitag im Erthaltheater gefeiert. Das Thema der fünften Ausgabe lautete passend zum Valentinstag »Liebes Leben«. Gastgeberin Marie Schwind hatte mit dem Darmstädter Trollius Weiss einen brillanten Geschichtenerzähler geladen.
Als sympathische Quasselstrippe entpuppte sich die Dortmunderin Claudia Rudek, die mit kräftiger, heller Stimme vorgetragene Songs zwischen Folk und Country-Pop/Rock vortrug, während sich der Mainzer Hilleke, unterstützt von einem stark aufspielenden Gitarristen, als »Mann fürs Grobe« vorstellte, der Themen anriss, die andere Künstler lieber aussparen.
[…]Mit einer Zugaberunde endete der Abend, der die für gewöhnlich nachdenkliche, entspannte Stimmung einige Male gelungen aufbrach und in seiner Qualität der vorherigen Ausgaben in nichts nachstand.

Main-Echo vom 18. Februar 2014 (Daniel Stegmann)




Liebe und Sehnsucht in Variation

Vier Künstler geben sich beim Lauschangriff im Erthaltheater mal emotional, mal eher nachdenklich

Berührt – so lässt sich die Gefühlslage von Künstlern und Publikum nach Ende des dritten Lauschangriffs zum Thema Erinnerungen im »Wohnzimmer« des gut gefüllten Erthaltheaters umschreiben. […] Marie Schwind hatte dazu vier exzellente Künstler geladen, die in ihren sehr persönlichen Songs genau dies vertonten: Die Tübinger Chanson-Sängerin Sarah Lesch, die mit hintergründigen Texten voller Witz und glockenheller Stimme überzeugte, den Ulmer Danny Richter, der mit ausdrucksstarker Stimme deutschsprachigen Indie im akustischen Gewand präsentierte, die gebürtige Amerikanerin Vanessa Novak, die Folk mit Blues und Country verband und die Lokalmatadorin Kathrin Kempf, die mit ihrer starken Stimme beeindruckte.
Dabei ging das Konzept, jeden Künstler nicht mehr als zwei Songs am Stück spielen zu lassen, perfekt auf: Es entstand eine entspannte, freundschaftliche Atmosphäre, ein sympathisches Miteinander der Künstler mit dem Publikum, was die persönliche Komponente des Abends unterstrich. […]
Was am Ende des Abends bleibt ist die wunderbare, sehr persönliche, berührende Begegnung mit vier Künstlern, die sympathisch, authentisch waren. Was bleibt ist die Erinnerung an einen musikalisch wie textlich herausragenden Musikabend und die Vorfreude auf den nächsten Lauschangriff.

Main-Echo vom 7.10.2013 (Daniel Stegmann)




 

Das Leichte ganz schwerelos erscheinen lassen

Schauspiel: Carlo Goldonis »Diener zweier Herren« im Erthaltheater Aschaffenburg ist ein Stück im Stück

"...Steffen Rosenberger ( ... ) ist unbestritten das quirlige, exaltierte und surrende Zentrum der Inszenierung von Jürgen Overhoff. Die es in sich hat: Mit leichter Hand wird da der groteske Humor serviert. Dafür wendet der Regisseur einen Trick an, zieht einen doppelten Boden ein, verpackt das eigentliche Stück in einem weiteren Stück..."

"...Und so wechseln die Schauspieler ständig fließend und übergangslos von ihrer Rolle als Schauspieler zu ihrer eigentlichen Rolle im Goldoni-Stück. Das erzeugt einen unglaublichen Sog, eine Dynamik. Und stülpt der eigentlich schon an sich komischen Handlung einen noch groteskeren Rahmen über. Ganz wunderbar gelingen dem Ensemble diese Übergänge. Dass Overhoff für seine Inszenierung den blanken Raum wählt, erhöht die Unmittelbarkeit des Spiels..."

"...Das Tempo stimmt, der Rhythmus zieht einen mit. Alle legen sich für ihre doppelten Rollen richtig ins Zeug, gehen im Spiel auf. »Diener zweier Herren« ist mit herrlich leichter Hand auf die Bühne gebracht. Und das, obwohl es doch so schwer ist, gerade das Leichte so schwerelos erscheinen zu lassen."

Main Echo vom 25.10.11 ( Bettina Kneller )




 

Mitten aus dem Leben gegriffen

Goethes "Faust" überzeugt in einer Inszenierung von Jürgen Overhoff im Erthaltheater Aschaffenburg

"Mephisto ist ein richtiger Drecksack. Einer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Es ist ein bisschen unter seiner Würde, dass er nur per Mofa in den Theatersaal getuckert kommt - und nicht mit einer standesgemäßen Harley. Aber auch ohne die ist er der "Master of Desaster", der mieseste und hintertriebenste Fiesling, der einem seit langem untergekommen ist.
Nein, mit Gustav Gründgens` messerscharf-bösartiger Schilderung hat Günter Geislers Mephisto nichts zu tun. Eher gestaltet er ihn als bitterbösen Buben mit losem Mundwerk. Und passt damit fabelhaft in diese launige, überaus kurzweilige Inszenierung."

"Infernalisch gut und straff ist das alles entwickelt. Overhoffs Inszenierung hat Witz, Tempo und zieht einen von Anfang an in den Bahn."

"FAUST in Erthaltheater ist kein staubtrockener, abgehobener Klassiker, sondern mitten aus dem heutigen Leben gegriffen. Das ist die Faszination, die von dieser Inzenierung ausgeht. Und die ohne diese engagierten Schauspieler nie möglich wäre."

Main Echo vom 25.10.11 ( Bettina Kneller )




 
 


" ... und das Erthaltheater hat das exquisiteste Programm abseits des
Mainstreams..."
FRIZZ Aschaffenburg ( Dimitrios Charistes )




 

Betrogenen Gatten im Tanga bestaunt

Achterbahn der Gefühle: Agnieszka und Torsten Kleemann bringen in der Kulturhalle
( Stockheim ) Dario Fo Stück
( "Offene Zweierbeziehung") auf die Bühne

"...Ausdrucksstark, sehr realitätsnah und ungekünstelt verkörperten die beiden das Paar..."

"... Hätte die Bühne in dem ehemaligen Güterschuppen Vorhänge, hätten
sich diese zum Schluss des Stückes mehrmals öffnen müssen, so reichlich
wurden die beiden mit Applaus bedacht."
Kreis - Anzeiger Ortenberg, Altenstadt, Glauburg vom 2./3.07.11




 

Beklemmend und ohne Ausweg


"Extremities" von William Mastrosimone im Erthaltheater Aschaffenburg - Nervenaufreibendes Spiel

"...Jürgen Overhoff hält sich in seiner Inszenierung für das Erthaltheater in Aschaffenburg eng an die berühmte filmische Vorlage - die in den 1980ern für einigen wirbel sorgte. Und schafft es, den 90 - minütigen Psychothriller vom Breitwandformat auf Theatermaße zu bringen. Seine Version lebt vor allem vom eindringlichen Spiel der beiden Hauptakteure. Zwischen Torsten Kleemann, der den Vergewaltiger Raul spielt, und Katharina Försch, die die gepeinigte Marjorie gibt, entwickelt sich eine intensive, funkenschlagende, knisternde Interaktion..."

"...Ein fesselndes Stück Theater, das nicht nur einfach unter die Haut geht. Sondern das sich im Kopf festsetzt. Und lange dort gärt.""

Main Echo vom 29./30.01.11 ( Bettina Kneller )





 

Wenn der Kasperl mit der Gretel...

Agnieszka Kleemann beantwortet in "Sex - aber mit Vergnügen" unterhaltsam delikate Fragen

"...Im Spiel mit den Puppen ist Kleemann wirklich gut.... Zu Hochform läuft sie als Lehrerin einer Orgasmusschule auf - eine Rolle, in der sie der wohl bekanntesten Orgasmus-Vortäuscherin Meg Ryan echte Konkurrenz macht.

Unterhaltsam und abwechslungsreich hat Overhoff das Stück inszeniert....Der Spaß an der Sache im Allgemeinen und am Sex im Besonderen steht im Vordergrund."

Main Echo vom 13./14.11.2010 (Nina-Anna Beckmann)




 

Im Kabinett menschlicher Grauslichkeiten

Georg Büchners Drama "Woyzeck" im Aschaffenburger Erthaltheater - Jürgen Overhoff inszeniert es als beklemmendes Stück

"...Beklemmend vor allem deswegen, weil Overhoff Woyzeck konsequent in den Mittelpunkt rückt als einsamen Verzweifelten, der keinen Ausweg aus seinem Lebensdilemma weiß. Kleemann verkörpert diesen jungen Mann,... zuerst hilflos, getrieben, dann mit leise wachsender Wut, die ihn schließlich zur Furie werden lässt. Und diese Entwicklung ist glänzend umgesetzt. Kleemann spielt so intensiv, dass man seine Emotionen meint mit Händen greifen zu können..."

"...Nur Woyzecks Freund Andres (Jan Bareins) ist ein letzter Lichtblick in diesem Kabinett menschlicher Grauslichkeiten. Doch da, wo sich Woyzeck im Kampf mit den stumpfen Empfindungslosen langsam aufreibt, und dem Wahnsinn verfällt, zerbricht Andres auf andere Art. Drogen sind seine Antwort auf die Gnadenlosigkeit der Welt. ... Bareins spielt diesen Zerbrochenen sehr eindringlich und mit einer Kraft der Vergeblichkeit, die stumm werden lässt..."

"..."Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt?" fragte Georg Büchner 1833 in einem Brief an seine Braut. Im "Woyzeck" im Erthaltheater liegen die Antworten auf diese Frage offen und frei greifbar. Und sind dabei so erschütternd, dass es einem mehr als einmal den Atem nimmt. Ein Stück Weltliteratur furios inszeniert, zeitgemäß gewandet und mit allen Fasern schauspielerischen Könnens verkörpert."

Main Echo vom 16./17.10.10 ( Bettina Kneller )




 

Quälende Schuld, furiose Blutraserei

Shakespeares "Macbeth" in einer Inszenierung von Jürgen Overhoff im Erthaltheater Aschaffenburg

"...Dieser "Macbeth" ist eine vergnügliche Blutraserei mit dem Tempo eines Tarantino-Films. Schnell, manchmal laut, mit deutlichen Strichen gezeichnet. Und trotz aller Tragik: ein großes Vergnügen."

Main Echo vom 24.03.10 ( Martina Himmer )




 

Gnadenloser Marathon

Erthal-Ensemble spielt die Komödie "Offene Zweierbeziehung"
von Dario Fo und Franca Rame

"...Seine Inszienierung (Jürgen Overhoff) macht aus dem Kammerstück einen gnadenlosen Marathon: Dialoge werden irrwitzig durch den Raum geschleudert, die Akteure kämpfen in akrobatischen Verrenkungen miteinander, um sich kurz darauf wieder in die Haare zu kriegen..."

"...Was bleibt, ist nacktes Spiel der bis auf die Grundmauern entblößten, menschlichen Seelen... In dieser Unmittelbarkeit liegt die große Chance des Stückes. Und das Erthal-Ensemble weiß sie zweifelsohne für sich zu nutzen. Auf großartige Weise."

Main Echo vom 5./6.12.09 ( Bettina Kneller )




 

Menschen wie kleine traurige Planeten

Erthal-Ensemble spielt Edward Albees Klassiker "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"

"...Vier Menschen, die versuchen Kontakt zueinander zu finden, eine Beziehung zueinander aufzubauen - doch am Ende sind sie jeder für sich ein kleiner, einsamer und trauriger Planet im unendlichen All. Zwei intensive Stunden Theater vom Feinsten, inszeniert mit Fingerspitzengefühl, gespielt mit großer Hingabe und Einsatz - und das sich vor großen Vorbildern sicher nicht verstecken muss."

Main Echo vom 14./15.02.09 ( Bettina Kneller)




 

Intensives Kammerspiel um Unheimliches

Jürgen Overhoff inszieniert zur Neueröffnung des Erthal-Theaters Igor Bauersimas "69"

"...Denn ein packenderes Stück zur Wiedergeburt des kleinen Theaters mit der großen Atmosphäre hätte es wohl kaum gegeben..."

Main Echo vom 10/11.01.09 ( Bettina Kneller )

Mit Simone Wagner und Torsten Kleemann




 
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